Debatte um die Stadt- und Landesbibliothek

Zur Debatte um die Stadt- und Landesbibliothek stellt die Bürgerinitiative Mitteschön ihre Position wie folgt dar.

Eine gut ausgestattete, funktionierende Bibliothek auf der Höhe der Bibliothekswissenschaften ist immer eines der wichtigsten Gebäude in der Stadt. Sie stellt ein Zentrum geistigen Lebens der Stadt dar und muss daher an einem prominenten, öffentlichen, repräsentativen Ort positioniert sein.

Mitteschön begrüßt ausdrücklich die Selbstverpflichtung von Stadt und Land und die Anstrengungen, die nun für die zeitgemäße Sanierung der Potsdamer Bibliothek unternommen werden. Jedoch ist eine nur „inhaltlichen-technisch-funktionale“, also isolierte Betrachtung in diesem Fall nicht ausreichend, steht sie doch in ummittelbaren Zusammenhang mit dem historischen Rückbau der Innenstadt.

Modell Bibliothek

Es geht also nicht um das „ob“, sondern nur um das „wie“.
Zu den nun von Mitteschön vorgestellten Bildern ist folgendes zu bemerken

1. Die Computergrafiken basieren auf den amtlichen Katastern.
Sie entsprechen mathematisch genau der Realität des Bibliothekskubus in einer anzunehmenden zukünftigen historischen Situation.

2. Durch die Visualisierung wird deutlich, dass die Bibliothek dem Grundkonsens der Stadtentwicklung seit 1990 – der „ Wiederannährung an das historisch gewachsene Stadtbild“ – zuwiderläuft. Bleibt der Kubus an diesem Ort und in diesen Ausmaßen erhalten, wird der Verlauf des Kanals, die Wiederherstellung der Platzkante und die städtebaulich wichtige, wieder herzustellende Ecksituation der Straßenkreuzung massiv erschwert.

3. Gerade der Stadtgrundriss ist (auch aus denkmalpflegerischer Sicht) ein
einzigartiges Geschichtszeugnis. In ihm manifestiert sich wesentlich die historische, einzigartige Entwicklung der Stadt. Gerade der wird durch die Bibliothek in der jetzigen Form gestört.

4. Die Begründung, dass hier DDR-Architektur erhalten werden muss, wird haltlos durch den Fakt, dass eben jene DDR-typische Fassade vollkommen entfernt werden soll. Erhalten blieben lediglich Teile der Konstruktion, die nicht sichtbar sein werden.

5. Die Bibliothek sollte zu DDR-Zeiten eine ganz bewusste Abkehr von den historisch gewachsenen Gestaltungsprinzipien Potsdams sein. Aus diesem Grund ist sie heute schwer in das Stadtbild zu integrieren.

6. Bleibt es bei dem „Quader“, bleibt er ein Fremdkörper in der Stadtgestalt. Nach der Sanierung in der geplanten Form wird die Bibliothek ein Haus auf Abruf sein.

Mitteschön als Bürgerinitiative urteilt hierbei frei von allen politischen, juristischen und finanziellen Zwängen, die sicherlich vorhanden sind.
Doch das sind kurzfristige Faktoren, die uns manchmal langfristige Entscheidungen erschweren, ja im schlechtesten Falle unmöglich machen.

Mitteschön wirbt für eine nachhaltige, integrative ganzheitliche Betrachtung der gesamten historisch gewachsenen Potsdamer Mitte. Bei einer derartig wichtigen Aufgabe und einer derartig hohen Investition von öffentlichen Mitteln kann das Ergebnis nicht ein Kompromiss sein. Es ist dringend geraten, dass sich alle Entscheider, Nutzer und Bürger noch einmal an den Tisch setzen, um eine bessere Lösung zu erzielen.