Kritiker dominieren „Dialog“-Abend zum Brauhausberg / Auch Mitteschön schwenkt um

Die Bebauung des Brauhausberges lässt die Potsdamer nicht los: Auch am Mittwochabend in der Reihe „Potsdamer Mitte im Dialog“ sprachen sich viele Bürger gegen die von der Stadtverwaltung und den Stadtverordneten gefassten Pläne aus, am Hang des Berges „ein Stück Stadt“ zu schaffen, wie es Christoph Kohl, der Autor des Masterplans für Speicherstadt und Brauhausberg, ausdrückte.

Zu den Gegnern, die sich in der Bürgerinitiative „Pro Brauhausberg“ organisiert haben, stießen dabei auch „Mitteschön“-Aktivisten, die sich nach anfänglicher Zustimmung im Jahr 2009 mittlerweile zu den Skeptikern der geplanten Bebauung zählen. So warnte Architekt Christian Wendland, der einen kurzen Abriss der Brauhausberg-Geschichte gab und darauf verwies, dass der Berg nur verhältnismäßig kurze Zeit zwischen 1920 und 1945 stark bebaut war, vor einer „Baumasse, von der sich die Stadt so schnell nicht erholt“ – und erntete johlenden Applaus der Bürgerinitiative.

Die Grünen-Abgeordnete Saskia Hüneke verteidigte die Entscheidung von 2009, die in einem Workshop einstimmig gefallen war. Sie nannte die Pläne „einen Erfolg“ verglichen mit dem, was die Pro Potsdam vorher geplant hatte. Architekt Bernhard Wendel plädierte für einen offenen städtebaulichen Wettbewerb.

Der Autor des Masterplans, Christoph Kohl, vor zwei Jahren noch über alle Maßen gelobt, hatte einen schweren Stand. Er korrigierte die häufig wiederholten Falschmeldungen, es würde sechsgeschossig gebaut, und der Kaiser-Wilhelm-Blick vom Berg werde zugebaut. Kohl erläuterte seine Vision von einem Stück Stadt, das den Reisenden statt einer Wiese empfängt, wenn er aus dem Bahnhof trete. Doch die Anwesenden wollten mehheitlich Landschaft und Natur. Wo denn all die dringend benötigten Wohnungen und Erweiterungen für die Wissenschaft vom Telegrafenberg stattdessen hin sollten, verriet allerdings niemand. Kohl war auch technisch gehandicapt, denn seine Ansichten und Simulationen konnten wegen Computerproblemen nicht gezeigt werden, so dass er sein Konzept der differenzierten Höhen und Sichtachsen nur anhand einer Draufsicht erläutern konnte. Er betonte mehrmals, dass lediglich der Fuß des Berges bebaut werde, kam aber nicht gegen die Ablehnung an. Die Emotionen schlugen hoch, Moderatorin Natalie Gommert drohte zwischendrin sogar, den Saal räumen zu lassen – halb im Scherz. Differenzierte Meinungen blieben weitgehend unkommentiert. Architektur-Professor Ludger Brands etwa freute sich, dass man künftig vom Bahnhof in eine Stadt trete und Kohl die Dominanz des Leipziger Dreieckes, „dieser Autobahn“, zu mildern verstanden habe. Er plädierte allerdings für kleinteiligere Quartiere am Berg.

Die Stadt verwies darauf, dass am 11. Mai die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung beginnt, bei der jeder Bürger seine Einwände vorbringen kann. Gestern nahmen die Stadtverordneten einen Antrag zur Sicherung der städtebaulichen Qualität in der Speicherstadt durch ein mehrstufiges Bauherren-Auswahlverfahren von der Tagesordnung. Man will dazu erst die als Grundstückseigner betroffene kommunale Holding Pro Potsdam hören. (Von Jan Bosschaart)

Quelle: MAZ