Zum Nachfolgebau der Alten Post - Position zum Schürmann-Entwurf

Die Bürgerinitiative Mitteschön nimmt zu dem am 3.12.09 der Öffentlichkeit vorgestellten Entwurf für den Neubau anstelle des „Haus des Reisens“ / Alte Post folgendermaßen Stellung.

Die Tatsache, dass an einer der prominentesten Ecken der Stadt der Entwurf für ein Gebäude, das bereits eine Baugenehmigung hatte, überarbeitet worden ist, ist eine nur ausdrücklich zu begrüßende Entwicklung in Potsdam. Dass sich der beauftragte Architekt Ingo Schürmann dem Mehraufwand einer Überarbeitung unterzog, verdient großen Respekt.

Gleichfalls sehr zu begrüßen ist, dass die Pro Potsdam zu dem Gebäude im Vorfeld einen work-shop (vier Sitzungen) ausgerichtet hat, bei dem Potsdamer Architekten und Architekturkenner ihre Kenntnisse einbringen konnten. Der Entwurf hat entschieden an Qualität, Stadtverträglichkeit und Originalität gewonnen. Angesichts der stadtbildprägenden städtebaulichen Situation des Gebäudes haben sich Architekten und Professoren, der Bauherr, die Stadtverwaltung, Stadtverordnete und Mitglieder des Bauausschusses zusätzlichen Aufwand gemacht und die Öffentlichkeit informiert.

Die begründeten Sorgen und die Kritik der Bürger ist damit ernst genommen worden! Möge dieses Verfahren auch in Zukunft für derartig prominente Aufgaben in Potsdams Mitte Schule machen.

Für Mitteschön ist die Alte Post jedoch ein Leitbau erster Güte, da er alle Kriterien erfüllt:

  • außergewöhnlich hoher Kunstwert
  • städtebaulich-räumlich größte Wirkung und Bedeutung
  • allgemein geschichtliche, technikgeschichtliche (Geschichte des Kommunikationswesens) und stadtgeschichtliche Bedeutung.

Es ist daher bedauerlich, dass Potsdam in dem Moment, in dem der Begriff „Leitbau“ auch in der Politik Akzeptanz gefunden hat, die Stadt sich nicht zu einer eindeutig historischen Lösung in eigener Regie entschließen kann.

Dieses Verfahren ist ein Novum. Keine praktischen Erfahrungen sind hier vorhanden. Auf der einen Seite ist es spannend, ob es gelingt, auf der anderen Seite birgt solch ein Experiment auch die Gefahr des Misslingens in sich. An dieser Stelle wäre das katastrophal! Zu fragen ist: wie kann der mögliche Eindruck eines „Gitters“, eines „Bretterwalds“ vollkommen ausge- schlossen werden? Kann das gewünschte Durchscheinen der Alten Post („Ätztechnik“) in der Nah-und Fernsicht gewährleistet werden? Kann die Zweidimensionalität des „Fotos“ die üppige Plastizität vermitteln, die ja gerade die Alte Post auszeichnete?

Wie hoch ist der finanzielle Mehraufwand zu beziffern?
Das sind die Fragen, die uns bewegen und hoffentlich noch beantwortet werden können.