So wird Potsdam wieder aussehen!

Kennnen Sie diesen Turm?

`Gemini generated. Bauhausbergturm 1910 und 2027

Auf dem Brauhausberg steht eines der einst architektonisch bedeutendsten Gebäude Potsdams.
Seit Jahren leer, seit 2023 teilweise ausgebrannt — und bald wieder das, was es immer sein sollte:
Ein Wahrzeichen über den Dächern der Stadt.

Wer heute vom Pfingstberg hinüberschaut, wer die Stadtsilhouette vom Babelsberger Park liest
oder vom Hauptbahnhof den Hügel über der Havel betrachtet, nimmt aus der Ferne
kaum dieses mächtige Backsteingebäude mit dem Turm wahr.
Einem Turm, der irgendwie unfertig wirkt. Dieses Gefühl ist nicht zufällig. Es stimmt.

Der Turm des Brauhausbergs ist seit 1935 ein Rumpf.
Was Franz Schwechten, einer der bedeutendsten Architekten des Kaiserreichs,
1902 auf die Hügelkuppe gesetzt hatte, war ein 124 Meter hoher Turm,
höher als die Nikolaikirche mit 108 Metern mit Fachwerk,
Erkern, Zinnen Türmchen und einer Krone, die weit über die Stadt schaute.
Er wurde im April 1935 auf Betreiben des nationalsozialistischen Oberbürgermeisters
von Potsdam um 14 Meter abgetragen. Nicht aus Notwendigkeit. Aus Ideologie.
Nach den Kriegsschäden wurde er in zu DDR-Zeiten weiter verkürzt und die Dachlandschaft stark vereinfacht.  
Das Gebäude von 1949 -1989 als SED-Parteizentrale genutzt, im Volksmund der Kreml.

Ein Architekt, der Potsdam kannte.

Franz Schwechten war kein beliebiger Baumeister.
Er hatte die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin entworfen,
er war der Architekt des Kaiserhauses — und er wusste genau, wo er baute.
Der Brauhausberg, bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert Standort des Belvederes
für Königin Luise, war immer ein Ort der Aussicht und der Sichtbarkeit gewesen.
Schwechten setzte darauf ein Gebäude, das dieser Tradition entsprach:
Großzügig, repräsentativ, mit einer Dachlandschaft aus bewegten Giebeln, Fachwerk und einem Turm,
der als südlicher Abschluss der Potsdamer Panoramasilhouette gedacht war.

Gemini Generated Schwechten Gebäudeensemble 1910

Es war, wie die architekturhistorische Studie des Büros ROOMWiT 2025 herausgearbeitet hat,
eine bewusst bürgerliche Geste: Tudor-Revival, moderner, englischer Landhausstil,
malerische Asymmetrie — ein Gegengewicht zur Kaserne, eine Einordnung in die Potsdamer Kulturlandschaft.

Der Turm war von Anfang an als südlicher Schlussakkord der Potsdamer Stadtsilhouette konzipiert
— sichtbar vom Pfingstberg, vom Babelsberg, vom Lustgarten.
Was 1935 abgetragen wurde, war kein Ornament.
Es war das städtebauliche Signal des gesamten Ensembles.

Was die Stadt verloren hat — und was sie zurückbekommt

Der Turm war nicht nur ein ästhetisches Element.
Er war das städtebauliche Signal des gesamten Ensembles:
Wer die Stadt von Süden, Westen oder vom Wasser aus sah, sah den Brauhausberg.
Wer auf dem Brauhausberg stand, sah die ganze Stadt.
Diese Wechselwirkung — Sehen und Gesehen werden — war der Kern des Schwechtenschen Entwurfs.

1935 wurde sie gekappt. Was folgte, war eine schrittweise Vereinfachung:
Im Zweiten Weltkrieg beschädigt, 1948 mit vereinfachtem Dach wiederhergestellt,
Giebel abgerissen, Turm erneut vereinfacht.
Die reiche Dachlandschaft — Schornsteine, Fachwerkgiebel, Scharwachttürmchen
— verschwand Schicht für Schicht. Das Gebäude, das heute auf dem Brauhausberg steht, ist ein Torso des Originals.

Ehemaliger Landtag 2021 Foto: Klaus-Peter Mehls

Die Rekonstruktion als Gewinn für die Stadt

Was jetzt geplant ist, geht weit über die Sanierung eines Baudenkmals hinaus.
Im Zuge der Umwandlung des Brauhausbergs in einen Wissenschafts- und Universitätscampus
wird die historische Turmkrone rekonstruiert — auf Grundlage der originalen Schwechten-Pläne
und der wissenschaftlichen Studie zur historischen Fernwirkung des Gebäudes.

Das ist ein Gewinn für Potsdam — nicht nur für die Architekturgeschichte.
Er ist das Wahrzeichen für die Stadt, dass die Universität, wie früher in die Mitte der Stadt wieder zurückgekehrt ist.  

Ein Turm von 64 Metern auf einer Hügelkuppe verändert das Stadtbild.
Er gibt der südlichen Stadtsilhouette ihren Abschluss zurück.
Er ist vom Pfingstberg sichtbar, vom Babelsberg, vom Hauptbahnhof
— ein Zeichen, das die Stadt wieder vollständig macht.

Hasso Plattner, der das Projekt ermöglicht, gibt Potsdam nicht nur einen Campus zurück.
Er gibt der Stadt ein Stück ihrer Silhouette zurück — das, was 90 Jahre lang fehlte,
ohne dass es viele bemerkt hatten.

Die Bilder in diesem Artikel zeigen zum ersten Mal öffentlich,
wie der Brauhausberg nach der Rekonstruktion aussehen könnte.
Wir werden in den nächsten Wochen mehr zeigen: die Dachlandschaft, die Sichtbeziehungen, das Innenleben des Campus.

Potsdam bekommt seinen Turm zurück.
Ein neues Wahrzeichen für die Universitätsstadt Potsdam
und mit ihm ein Stück Stadtbild,
das es nie hätte verlieren sollen.