Auf dem Brauhausberg steht eines der einst architektonisch bedeutendsten Gebäude Potsdams. Seit Jahren leer, seit 2023 teilweise ausgebrannt — und bald wieder das, was es immer sein sollte: Ein Wahrzeichen über den Dächern der Stadt.
Wer heute vom Pfingstberg hinüberschaut, wer die Stadtsilhouette vom Babelsberger Park liest oder vom Hauptbahnhof den Hügel über der Havel betrachtet, nimmt aus der Ferne kaum dieses mächtige Backsteingebäude mit dem Turm wahr. Einem Turm, der irgendwie unfertig wirkt. Dieses Gefühl ist nicht zufällig. Es stimmt.
Der Turm des Brauhausbergs ist seit 1935 ein Rumpf. Was Franz Schwechten, einer der bedeutendsten Architekten des Kaiserreichs, 1902 auf die Hügelkuppe gesetzt hatte, war ein 124 Meter hoher Turm, höher als die Nikolaikirche mit 108 Metern mit Fachwerk, Erkern, Zinnen Türmchen und einer Krone, die weit über die Stadt schaute. Er wurde im April 1935 auf Betreiben des nationalsozialistischen Oberbürgermeisters von Potsdam um 14 Meter abgetragen. Nicht aus Notwendigkeit. Aus Ideologie. Nach den Kriegsschäden wurde er in zu DDR-Zeiten weiter verkürzt und die Dachlandschaft stark vereinfacht. Das Gebäude von 1949 -1989 als SED-Parteizentrale genutzt, im Volksmund der Kreml.
Ein Architekt, der Potsdam kannte.
Franz Schwechten war kein beliebiger Baumeister. Er hatte die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin entworfen, er war der Architekt des Kaiserhauses — und er wusste genau, wo er baute. Der Brauhausberg, bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert Standort des Belvederes für Königin Luise, war immer ein Ort der Aussicht und der Sichtbarkeit gewesen. Schwechten setzte darauf ein Gebäude, das dieser Tradition entsprach: Großzügig, repräsentativ, mit einer Dachlandschaft aus bewegten Giebeln, Fachwerk und einem Turm, der als südlicher Abschluss der Potsdamer Panoramasilhouette gedacht war.
Gemini Generated Schwechten Gebäudeensemble 1910
Es war, wie die architekturhistorische Studie des Büros ROOMWiT 2025 herausgearbeitet hat, eine bewusst bürgerliche Geste: Tudor-Revival, moderner, englischer Landhausstil, malerische Asymmetrie — ein Gegengewicht zur Kaserne, eine Einordnung in die Potsdamer Kulturlandschaft.
Der Turm war von Anfang an als südlicher Schlussakkord der Potsdamer Stadtsilhouette konzipiert — sichtbar vom Pfingstberg, vom Babelsberg, vom Lustgarten. Was 1935 abgetragen wurde, war kein Ornament. Es war das städtebauliche Signal des gesamten Ensembles.
Was die Stadt verloren hat — und was sie zurückbekommt
Der Turm war nicht nur ein ästhetisches Element. Er war das städtebauliche Signal des gesamten Ensembles: Wer die Stadt von Süden, Westen oder vom Wasser aus sah, sah den Brauhausberg. Wer auf dem Brauhausberg stand, sah die ganze Stadt. Diese Wechselwirkung — Sehen und Gesehen werden — war der Kern des Schwechtenschen Entwurfs.
1935 wurde sie gekappt. Was folgte, war eine schrittweise Vereinfachung: Im Zweiten Weltkrieg beschädigt, 1948 mit vereinfachtem Dach wiederhergestellt, Giebel abgerissen, Turm erneut vereinfacht. Die reiche Dachlandschaft — Schornsteine, Fachwerkgiebel, Scharwachttürmchen — verschwand Schicht für Schicht. Das Gebäude, das heute auf dem Brauhausberg steht, ist ein Torso des Originals.
Ehemaliger Landtag 2021 Foto: Klaus-Peter Mehls
Die Rekonstruktion als Gewinn für die Stadt
Was jetzt geplant ist, geht weit über die Sanierung eines Baudenkmals hinaus. Im Zuge der Umwandlung des Brauhausbergs in einen Wissenschafts- und Universitätscampus wird die historische Turmkrone rekonstruiert — auf Grundlage der originalen Schwechten-Pläne und der wissenschaftlichen Studie zur historischen Fernwirkung des Gebäudes.
Das ist ein Gewinn für Potsdam — nicht nur für die Architekturgeschichte. Er ist das Wahrzeichen für die Stadt, dass die Universität, wie früher in die Mitte der Stadt wieder zurückgekehrt ist.
Ein Turm von 64 Metern auf einer Hügelkuppe verändert das Stadtbild. Er gibt der südlichen Stadtsilhouette ihren Abschluss zurück. Er ist vom Pfingstberg sichtbar, vom Babelsberg, vom Hauptbahnhof — ein Zeichen, das die Stadt wieder vollständig macht.
Hasso Plattner, der das Projekt ermöglicht, gibt Potsdam nicht nur einen Campus zurück. Er gibt der Stadt ein Stück ihrer Silhouette zurück — das, was 90 Jahre lang fehlte, ohne dass es viele bemerkt hatten.
Die Bilder in diesem Artikel zeigen zum ersten Mal öffentlich, wie der Brauhausberg nach der Rekonstruktion aussehen könnte. Wir werden in den nächsten Wochen mehr zeigen: die Dachlandschaft, die Sichtbeziehungen, das Innenleben des Campus.
Potsdam bekommt seinen Turm zurück. Ein neues Wahrzeichen für die Universitätsstadt Potsdam und mit ihm ein Stück Stadtbild, das es nie hätte verlieren sollen.
Gemini generated: Garnisonkirche ohne Rechenzentrum mit Stadtkanal und viel Grün
Die öffentliche Debatte zum Rechenzentrum ist durchdrungen von Hoffnungen, Versprechungen und – ja, sagen wir es deutlich – von gezielten Desinformationen. Wir verstehen den Wunsch, diesen Ort als soziokulturelles Zentrum in Potsdam zu erhalten. Aber Wünsche werden nicht dadurch Realität, dass man sie laut genug ausspricht. Und Unwahrheiten werden nicht dadurch zu Fakten, dass man sie hartnäckig wiederholt.
Was wir brauchen, ist nicht noch eine Verlängerung, nicht noch eine Hoffnung auf Wunder, wie die Oberbürgermeisterin Frau Noosha Aubel es jetzt mit ihrem 7 Jahre Erhalt und dann Abriss vorschlägt. Es wird Zeit, dass man sich der unbequemen Realität stellt.
Hier die Einschätzung von Mitteschön zur Faktenlage. Anlass: Aubels Kompromissvorschlag Oberbürgermeisterin Noosha Aubel schlägt vor: Weitere sieben Jahre Nutzung des Rechenzentrums bis 2033, dann Abriss. Ein Versuch, beide Seiten zu befriedigen. Das funktioniert nicht, denn ihr Kompromissvorschlag ruht auf dem gleichen fehlerhaften Fundament wie das Nutzungskonzept aus dem Rechenzentrum von 2025:
✗ RA Luther-Stellungnahmen (Januar/April 2026): Rechtlich nicht haltbar, Bebauungsplan wird in Normenkontrollverfahren angegriffen ✗ Belius-Machbarkeitsstudie (Mai 2025): Unterfinanziert, wirtschaftlich nicht lebensfähig ✗ Drees & Sommer-Prüfung (Dezember 2025): Mangel überall, Kostenprognose nicht valide, technische Untersuchungen fehlen
Die Desinformationen und Unwahrheiten 1: Es geht ohne Baugenehmigung! Das Rechenzentrum war 1971 als Bürogebäude genehmigt. Heute ist es ein soziokulturelles Zentrum – völlig andere Nutzung. Jede Sanierung bei Umnutzung erfordert eine neue Baugenehmigung. Das ist nicht diskutierbar. Es steht in der Bauordnung Brandenburg (BbgBO) und dem Baugesetzbuch (BauGB). Das ist Gesetz und nicht verhandelbar.
2: Das Nutzungskonzept nach 2026 aus dem Rechenzentrum funktioniert! Fünf unabhängige Gutachter sagen klipp und klar: Es funktioniert nicht. Unterfinanziert. Nicht lebensfähig. Geht nicht ohne Baugenehmigung mit allen Konsequenzen.
3: Die Stiftung Garnisonkirche blockiert aus Böswilligkeit! Die Stiftung hat einen vertraglich verbrieften, rechtlich legitimen Anspruch auf Baufreiheit für ihr Grundstück. Die Stiftung hat konstruktiv verhandelt und das Rechenzentrum über 10 Jahre bis Juli 2026 geduldet. Sie blockiert nicht – sie nimmt ihre Rechte wahr. Und sie darf nicht zustimmen, weil es gegen ihre eigene Satzung verstößt.
Weshalb Erhalt nicht möglich ist: Die Baugenehmigung und ihre Konsequenzen.
Das ist der Kern der Sache: 1. Baugenehmigung wird erforderlich – wegen eindeutiger Nutzungsänderung 2. Baugenehmigung führt zur Frage: Ist die heutige Nutzung überhaupt zulässig? – Antwort: Nein. Sie ist nicht im Bebauungsplan festgesetzt. 3. Also muss der Bebauungsplan geändert werden – Dafür braucht es die Zustimmung der Stiftung Garnisonkirche (Teilgrundstückseigentümerin). Die Stiftung kann nicht zustimmen – weil sie damit gegen ihre Satzung verstoßen würde. 4. Sanierungssatzung muss geändert werden – Bisheriges Ziel: Abriss und Neuentwicklung. Neues Ziel: Erhalt. Auch dafür: Zustimmung der Stiftung erforderlich. Auch die wird nicht erteilt. 5. Vollsanierung kostet 30 Millionen Euro – Plus Entschädigungen an die Stiftung (möglicherweise 5–10 Millionen Euro). Die Stadt hat diese Mittel nicht und wird sie nicht bereitstellen. 6. Finanzierung für Abriss 2034 ist nicht gesichert – Aubels Kompromiss endet 2033 mit Abriss. Aber wer zahlt den Abriss? Die Stadt? Kein Geld. Die Stiftung? Nicht ihre Aufgabe. Resultat: 2033 würde ein neuer Streit beginnen.
Forderungen an die Politik 1. Akzeptiert die Realität Lest die Gutachten von Luther, Belius, Drees & Sommer und GGSC. Das Rechenzentrum kann nicht unbegrenzt erhalten werden. 2. Beendet die Desinformation Das Nutzungskonzept funktioniert nicht. Ohne Baugenehmigung geht es nicht. Die Stiftung ist kein Feind, sondern Rechtsträgerin. 3. Teilt euren Bürgern die Wahrheit mit: Das Rechenzentrum wird bis zum 31. Juli 2026.freigezogen. Das ist vertraglich so festgeschrieben, und nicht die Schuld der Stiftung Garnisonkirche, die mehreren Verlängerungen schon zugestimmt hat. Das ist eine Realität , mit der wir umgehen müssen. 4. Schafft echte Alternativen. Das neue Kreativ-Quartier eröffnet Herbst 2026 – mit Ersatzräumen für Kreative. Der Lange Stall ist eröffnet. Weitere Kreativräume in der Stadt fördern. Das ist die echte Lösung, nicht die Rettung einer Illusion. 5. Plant den Abriss und die Zukunft Schneller, sauberer Abriss 2027–2028. Neuplanung für das Grundstück: Garnisonkirche, Stadtplatz, neue Nutzungen. Klare, verlässliche Perspektive statt weiteres Zögern.
Fazit Die Wahrheit ist manchmal unbequem. Aber sie ist die einzige Basis für echte Lösungen. Potsdam braucht keine weiteren Hoffnungen. Potsdam braucht Klarheit, Verlässlichkeit und einen ehrlichen Plan. Lesen Sie die Gutachten. Verstehen Sie die Fakten. Und entscheiden Sie dann richtig.
Die öffentliche Forderung nach Distanzierung, nur wegen privater Teilnahme an einer Lesung, hat viele Menschen in Potsdam empört. Wir setzen ein Zeichen – für Meinungsfreiheit, für persönliche Verantwortung und für unseren Baubeigeordneten Bernd Rubelt.
Baubeigeordneter Bernd Rubelt (parteilos)
Die Angriffe auf unseren Baubeigeordneten Bernd Rubelt wegen seiner privaten Teilnahme an der Tellkamp-Lesung in der Kulturscheune Marquardt sind ein Tiefpunkt der politischen Kultur in Potsdam.
Die pauschale Verurteilung einer literarischen Veranstaltung mit einem Buchpreisträger als „neurechts“ und die moralische Erpressung unseres Baubeigeordneten sind Ausdruck eines Gesinnungsklimas, das Meinungsfreiheit nur noch unter Vorbehalt zulässt.
Rubelt hat nicht eingeladen, nicht gesprochen, nicht moderiert. Er hat seiner Frau beim Aufbau geholfen – mehr nicht. Dass ihm daraus eine Nähe zu rechtsextremen Positionen unterstellt wird, ist nicht nur absurd, sondern erinnert an die Praxis kollektiver Verdächtigung – ein Muster, das wir aus der DDR kennen, wo Familienangehörige für die Haltung Einzelner haftbar gemacht wurden.
Teile von SPD, Grünen, LINKE und Die aNDERE fordern nun eine öffentliche Distanzierung von angeblich „rechtsextremen Bestrebungen“: Keiner aus diesen 4 Parteien ist auf der Veranstaltung gewesen. Das ist ein Angriff auf die Meinungsfreiheit, auf die Unabhängigkeit privater Lebensbereiche – und auf das Prinzip, dass Verantwortung individuell bleibt.
Am 10. 10. 2007 wurde das „Neue Potsdamer Toleranzedikt“ veröffentlicht. Darin heißt es: »Toleranz bedeutet für die Potsdamer: Respekt und Akzeptanz des Anderen; aufeinander zugehen und miteinander ins Gespräch kommen; zuhören können; Unterschiede als Bereicherung erfahren; Konflikte zivil austragen; an die Stelle der Ausgrenzung die Integration setzen; Toleranz und Solidarität verbinden; Mobbing, Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und politischen Extremismus nicht zu dulden.« ( Heinz Kleger [Hg.]: Potsdamer Toleranzedikt. Für eine offene und tolerante Stadt der Bürgerschaft, Potsdam 2008, S. 6).
Wir, die Unterzeichnenden, stehen geschlossen hinter unserem Baubeigeordneten Bernd Rubelt: UNTERZEICHNENDE:
Barbara Kuster, Ulrich Zimmermann, Dr. Hans-Rheinheimer, Dr. Wieland Niekisch, Otto Schulz, Monika Ludwig, Werner Pahnhenrich, Bärbel Schälicke, Rudolph von Kettler, Volker Schobess, Friedrike Sehmsdorf, Sven Peters, Claudia Griessel-von Blücher, Jan Jacobi, Dr. Roger Töpelmann, Prof. Dr. Peter Stephan, Hans Berg, Arno Gorgels, Andreas Kitschke, Prof. Dr. Günther Rüdiger, Dr. Lutz Schirmer; Dr. Christian Dettmering, Carsten Zedler, Elisabeth Karth, Martin Reichert / David Chipperfield Architects, Dieter Eckert, Sigrid Grabner, Klaus-Peter Mehls, Bettina von Fink, Monika Schulz-Fieguth, Matthias Jacob, Manfred Hildebrand, Horst Prietz, Thomas Albrecht, Volker Frhr. von Wangenheim, Prof. Ludger Brands, Julia Theek; Dr. Saskia Ludwig, Dr. Hansjürgen Bals, Mara Pinardi, Erik von Grawert-May, Evelyn Wittkowski, Maria von Pawelsz-Wolf, Falko Folz, Dr. Michael Schöne, Prof. Dr. Roland Körber; Henning Hubertus von Steuben, Günter K. Schlamp, Rainer Gebhardt, Brigitta Graalfs, Jürgen Graalfs, Rainer Kruse……………….
Garnisonkirchenstiftung gibt keine Zustimmung zur Änderung des Bebauungsplanes zum Erhalt des Gebäudes des Rechenzentrums.
Foto: Ottmer Wilmer PNN
In der letzten Sitzung des Kuratoriums der Garnisonkirchenstiftung hat aufgrund der „Komplexität des ins Auge gefassten Verfahrens“, „die etwaigen umfangreichen Auswirkungen von Änderungen des Bebauungsplanes und der Sanierungsziele“ sowie die „Vielzahl an offenen Fragen“ eine Zustimmung zur Änderung des Bebauungsplanes Nr. 1 nicht erteilt. Siehe auch PNN vom 7.10.2025 https://www.tagesspiegel.de/potsdam/landeshauptstadt/hangepartie-fur-potsdams-vom-aus-bedrohtes-rechenzentrum-stiftung-garnisonkirche-sieht-viele-offene-fragen-14501441.html Die Kuratoriumssitzung am 7. Oktober war die letzte Sitzung vor Auslaufen der Mietverträge zum 31.01.2026 für die verbliebenen Nutzer im Rechenzentrum.
Weshalb die Stiftung so entschieden hat und weshalb das Nutzungskonzept zum Weiterbetrieb des Rechenzentrums ab 2026 aus rechtlichen und wirtschaftlichen Gründen nicht möglich ist, beschreibt Andreas Kitschke im Detail in seinem Beitrag zur Potsdamer Spitze 2025/01.
Die Entscheidung über Abriss, Duldung oder Nutzungsuntersagung liegt allein bei der Stadt Potsdam, vertreten durch die Bauaufsichtsbehörde und die Eigentümerin Pro Potsdam.
Die Stiftung hat keine rechtliche oder verwaltungsrechtliche Befugnis, über die Nutzung des Rechenzentrums zu entscheiden.