Wir nehmen Abschied von Herbert Posmyk, der am 20.
Oktober 2019 im Alter von 90 Jahren gestorben ist.
Fotograf Herbert Posmyk
Er hatte ein Auge für die Schönheit, auch für die Schönheit
des Vergangenen, die er als Baumensch (wie er sich selbst bezeichnete) in der
teilweise zerstörten oder stark beschädigten Potsdamer Architektur und
Ruinenlandschaft sehen konnte.
Stadtschloss Kalender von 2013
Bescheiden und eher still kennen wir ihn, gleichzeitig auch
sehr mutig. 1953 fotografierte er die Ruinen in Potsdam, insbesondere das
Stadtschloss und die Potsdamer Mitte.
Dabei versuchte die Stasi, ihm den Fotoapparat zu
entreißen, was glücklicherweise nicht gelang.
Herbert Posmyk Einführung zum Stadtschlosskalender 2013
So gibt es ein bleibendes Werk von ihm: seltene,
künstlerisch sehr wertvolle Farbaufnahmen aus dieser Zeit, die dokumentieren,
wie Potsdam noch Jahre nach der Bombardierung am 14. April 1945 aussah.
Seine Bilder haben dazu beigetragen, das Verständnis für
Stadtgeschichte und Architektur zu wecken und den Stadtraum
atmosphärisch wahrzunehmen.
An einigen Orten in Potsdam ist seine Sehnsucht nach
Wiederaufbau in Erfüllung gegangen, was auch sein bleibendes Verdienst
ist.
Mitteschön fordert eine Bürgerbeteiligung zur Beibehaltung der historischen Namen in der Potsdamer Mitte. Verdiente Frauen mit Straßennamen an zentraler Stelle im Quartier an der Langen Brücke ehren.
(Potsdam)
– Mit großem Aplomb stürmt die neue rot-rot-grüne Rathauskooperation in
Potsdam, unterstützt von Teilen der CDU, zur Umsetzung ihres ersten politischen
Projektes: der Umbenennung von drei Altstadtstraßen im ältesten, mittelalterlichen
Teil der Landeshauptstadt, rund um das neuerbaute Stadtschloß, das heute den
brandenburgischen Landtag beherbergt.
Schloßstraße mit Blick auf Obelisk
Die drei Altstadtstraßen Schloßstraße (seit 1660), Schwertfegerstraße (seit 1726, nach der Degenmacherinnnung) und Kaiser- oder Kayserstraße (seit 1730 „Kaysers Gäßchen“ nach dem dort bekannten Bäckermeister) sind für die große Mehrheit des Kulturausschusses der SVV und die Stadtverwaltung schlicht „neuzubenennende Straßen“ wie in einem Neubaugebiet am Stadtrand beispielsweise am Bornstedter Feld oder in Krampnitz. Eine Öffentlichkeits- oder Bürgerbeteiligung ist „bei Straßenneubenennungen mangels [betroffener] Anwohner nicht üblich bzw. auch gar nicht möglich“ (Stadtverwaltung), und da ficht es das neue politische Bündnis nicht an, daß diese Straßennamen eine bis zu 350jährige Geschichte aufweisen, durchgängig als öffentliche Wegeverbindungen genutzt wurden und jetzt nur baulich „wiederentstehen[1]“. Selbst den Furor des sozialistischen Stadtumbaus mit der Überbauung des mittelalterlichen Gründungskerns der Stadt durch das Institut für Lehrerbildung „Rosa Luxemburg“, dessen Gebäude nach 1990 von zwei Fakultäten der Fachhochschule genutzt wurden, hatte die Schwerfegerstraße als Passage überstanden. Auch am Staudenhof bot die ehemalige Kayserstraße noch immer den kürzesten Weg vom Alten Markt in das Geschäftszentrum Potsdams an der Brandenburger Straße. [1] Antrag der Stadtverwaltung zum Kulturausschuß der SVV am 14.2.2019
Potsdam soll weiblicher werden Als Hauptziel der Umbenennungen der Straßen wird von der Politik angegeben, daß „die Potsdamer Mitte weiblicher werden“[1] solle. Die neuen Straßennamen – durchgängig mit Bezug zur nationalsozialistischen Verfolgung andersdenkendender Potsdamerinnen und mit überraschend ausgewogenem parteipolitischem Hintergrund von der CDU bis zur SED – sollen „die Lebensleistung von Frauen würdigen“. Deshalb seien die langjährige Vorsitzende der israelitischen Frauengemeinde, Anna Zielenziger, die CDU-Mitbegründerin Erika Wolf und die SPD-Politikerin Anna Flügge, die nach der Zwangsvereinigung mit der KPD noch fast 20 Jahre lang in der SED-Politik gemacht hat[2], die geeigneten Namen das „kollektive Gedächtnis“ zu schulen. Kein Wunder, daß diese parteiquotierte Personenwahl im Kulturausschuß der SVV die einhellige Zustimmung der Fraktionen von den Anderen über die Linken und die SPD bis zur CDU bekam, eine wahrhaft große „Große Koalition“.
[1] Sascha Krämer, Linkspartei, am 27.9.2019 in den PNN [2] Noch 2001 hatten sich die Sozialdemokraten der Ehrung ihres Bürgermeisters Georg Spiegel enthalten, der 1946 nach der Zwangsvereinigung mit der KPD linientreue SED-Politik vertrat. Die Begründung der Potsdamer SPD damals: Verdienste könne man auch „verwirken”
Kaisersstraße mit Blick auf das Fortunaportal
Einsatz für Frauenrechte schwer zu glauben Die hehren Beweggründe der Stärkung der Frauenrechte sind allerdings den handelnden Parteien nur schwer abzunehmen. Die aNDEREN, stets links von den Linken zu finden, haben sich gleich aus dieser Argumentation verabschiedet, indem sie wenige Wochen nach dem für die SVV empfehlenden Beschluss des Kulturausschusses zeitgleich die Abschaffung eines Frauennamens beantragt haben, des Luisenplatzes am Brandenburger Tor.
Die Sozialdemokraten wären in ihrem Kampf für die
Gleichstellung von Mann und Frau auf den Potsdamer Straßenschildern sicher glaubwürdiger,
wenn sie statt die wenig männliche „Schloßstraße“
umzubenennen ihre ebenfalls in der historischen Mitte geehrten Genossen Otto
Braun oder Friedrich Ebert zur Verfügung gestellt hätten. Deren Viten weisen
mit Potsdam keinerlei Verbindung auf (Braun war Königsberger und politisch im
preußischen Abgeordnetenhaus in Berlin tätig, Ebert Senior gebürtiger Heidelberger und vor seiner Berliner
Zeit in der Bremer Bürgerschaft tätig), so ehrenwert das Wirken des preußischen
Ministerpräsidenten und des ersten deutschen Reichspräsidenten auch gewesen
sein mag. Nach den Vorschriften zur Straßenbenennung soll ein klarer
Potsdam-Bezug erkennbar sein.
Dass die Sozialisten der Linkspartei Freude darüber empfinden, das erste Mal nach 1989 wieder ein SED-Mitglied neu auf einem Straßenschild im Zentrum einer deutschen Landeshauptstadt zu verewigen, ist ebenfalls leicht nachvollziehbar. Mit einem so schnellen Erfolg der erst Mitte September 2019 unterschriebenen rot-rot-grünen Kooperation hat die Linkspartei eigentlich gar nicht rechnen können. Die CDU hingegen fremdelt mit der Zustimmung zu der Entscheidung für die Umbenennung des östlichen Teils der Schwertfegerstraße, und die Tochter der zu ehrenden CDU-Mitgründerin, deren Ehemann nach politischer Renitenz nach 1946 auf zweifelhafte Art und Weise bei einem fingierten Autounfall ums Leben kam, widerspricht der Umbenennung offen: „sie wäre damit nicht glücklich[1]“. [1] Zitiert nach PNN vom 3.10.2019
Chancen anderswo verpasst. Darüber hinaus hätte die Stadtpolitik mit den jüngeren Benennungen des Platzes östlich der Neubauten der Brauerstraße (jetzt: „VersaillerPlatz[1]“) und der Havelpromenade am Museum Barberini („Adolph-Miethe-Ufer“[2]) weiblicher werden können, hier handelte es sich in beiden Fällen unzweifelhaft um völlige Neuanlagen von Wegeverbindungen, da es die öffentlichen Ufer vor 1945 nicht gab – die auch in zentraler Lage historisch unbeschwert sind. Doch die bloße Tatsache, daß für die drei Straßen Bebauungspläne aufgestellt wurden sollen die Wiederbenennung nun juristisch zu Neubenennungen machen, mit weitreichenden Folgen. 1] Potsdamer Partnerstadt 2] Nach dem Erfinder des Teleobjektives
Angst vor den eigenen Beschlüssen und „postrekonstruktives Trauma“ Insgesamt – so macht es den Eindruck – geht es eigentlich um etwas ganz anderes: Nämlich um die nachträgliche Umdeutung der Beschlüsse zur behutsamen Wiederannäherung an den historischen Stadtgrundriss von 1990, die seitdem über zwanzig Mal in jeder Legislatur der Stadtverordnetensammlung mit großen Mehrheit bestätigt wurden, aber offenbar heute in der rot-rot-grünen Kooperation keinen Konsens mehr bilden. Es ist so eine Art „postrekonstruktives Trauma“, das die Stadtverordneten ergreift. Jeder Wiederaufbau eines historischen Gebäudes am Alten Markt wurde von der Bevölkerung und den Medien stürmisch gefeiert7 und nun hat man ein schlechtes Gewissen, als wenn man die Schokolade aus der Speisekammer gestohlen hat und möchte, daß die Altstadt mit neuen Namen wenigsten nicht so ganz nach „Altstadt“ aussieht. Eigentlich ein Fall für den Therapeuten, denn die Stadt reißt damit in touristischer Hinsicht mit dem sprichwörtlichen Hintern das ein, was sie mit viel öffentlichem Geld und PR gerade aufbaut – aber was kann wirtschaftliche Vernunft gegen das Bedürfnis „ein Zeichen zu setzen“ heutzutage schon noch ausrichten.
Anderswo kam niemand auf solche Gedanken In Frankfurt am Main, wo statt des „technischen Rathauses“ in den letzten Jahren die Gassen der Altstadt wiederentstanden sind, kam in der Stadt nicht einmal die Spaß-Gruppierung „Die Partei“ auf die Idee den „Krönungsweg“ wegen angeblichem Monarchismus in einen Verfolgten des NS-Regime umzutaufen, oder für den „Hühnermarkt“ eine verdiente Christdemokratin finden zu wollen. Weder die Dresdner haben rund um den Neumarkt die „Moritz-“ oder die „Schuhmachergasse“ umbenannt, genauso wenig wie die Lübecker ihre „Fisch-“ und „Alfstraße“, ja nicht einmal die „Braunstraße“ (erstmalig 1259 als „Brunstrate“ nach einem Lübecker Bürgermeister benannt), die in Potsdam in der Fantasie manches „Aktivisten“ sicher noch mehr Panik ausgelöst hätte als die Potsdamer Kaiserstraße, mußte weichen und auch der hübsche Name „Einhäuschen Querstraße“ stand selbstverständlich nicht zur Disposition.
Straßennamen diene der Orientierung, nicht der Politik Überhaupt: Straßennamen, sollten kein Ort für politische Grabenkämpfe und Verewigungsfantasien von Parteien sein, sondern dienen nach der Straßenverkehrsordnung zuerst der Orientierung, das ist offenbar in Vergessenheit geraten. Der Politik mußten schon der historische Fischmarkt (heute: Otto-Braun-Platz) weichen und die Hohewegstraße (heutige Friedrich-Ebert-Straße zwischen Schloßstraße und Am Kanal). Letztere folgte dem mittelalterlichen Stadtwall und der Weg auf der Wallkrone wurde deshalb folgerichtig seit dem 18. Jahrhundert als „hoch“ bezeichnet – viele alte Potsdamer kennen den Namen noch.
Schon jetzt verheddert Aber auch mit den Bestandsnamen hat sich die Stadtverwaltung schon völlig verheddert: Auf der Ostseite des Alten Marktes, der bis dato in seinem Namen noch unstrittig ist, heißt die Straße (beginnend am ehem. Stadtkanal mit der Hausnummer 1) „Am Alten Markt“, das Potsdam Museum im Alten Rathaus firmiert als letzte Hausnummer „Am Alten Markt 9“.
Der brandenburgische Landtag gegenüber im Stadtschloß mit seinem Haupteingang durch das Fortunaportal trägt hingegen stolz die Adresse „Alter Markt 1“, die Neubauten westlich der Kirche sollen ebenfalls den Namen „Alter Markt“ tragen. Dann gibt es die Hausnummern 1-9 am Markt doppelt (siehe Karte). Am Alten Markt 1 und Alter Markt 1 liegen so schon heute in Steinwurfweite (läge die Nikolaikirche nicht dazwischen). Für Besucher sicher verwirrend, vermutlich haben nicht einmal die Stadtverordneten diese Doppelung bemerkt – wo doch Verwechselungsgefahr die Stadt im Zentrum um so manchen schönen Namen bringt.
So ist zum Beispiel die Potsdamerin Eleonore Prochaska, die als Mann verkleidet bei den Lützow‘schen Jägern gegen Napoleon kämpfte schon am Kirchsteinfeld geehrt, ihre „Kollegin“ Friederike Krüger allerdings ist noch straßenlos. Krüger war die erste Unteroffizierin in der Männerdomäne der preußischen Armee und wurde für ihre Leistungen in den Befreiungskriegen gegen Napoleon von König Friedrich Wilhelm III. in Potsdam mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Zu ehren wäre auch Dorothea Erxleben, die mit ihrem Bruder zusammen an der Universität Halle Medizin studierte, 1741 wies Friedrich der Großen die damals preußische Universität in einem Brief aus dem Potsdamer Stadtschloß (das Schloß als historischer Ort wird zu geringgeschätzt) an Erxleben zu promovieren – die erste Frau in Deutschland mit staatlichem Doktortitel. Aber alle diese Frauen waren in keiner Partei, deshalb zurück zu den drei zur Umbenennung vorgesehene Straßen in der Potsdamer Mitte
Mit öffentlichem Geld erst bekannt gemacht, jetzt umbenannt Die Schloß- und die Schwertfegerstraße sind nun heute als Stummel noch existent und den Potsdamern seit hunderten Jahren geläufig, ihre Verlängerungen zum Landtagsschloß und zum Alten Markt hin sind der Bevölkerung – so sie es nicht wußten – seit über 10 Jahren durch zigtausend fache Veröffentlichungen des Sanierungsträgers mit viel kommunalem Geld (der „blauen Broschüre“, vielen Faltblätter) und durch die Berichterstattung über die Umsetzung des Leitbautenkonzeptes in den Medien eingebläut geworden. Alle Ausschreibungen der Grundstücke der Neubauten anstelle der FH, aber auch der Achtecken und des Einsiedlers wurden mit den historischen Namen geführt – die Verwendung der historischen Bezeichnungen stand nie zur Debatte. Sollte der Name des Bäckermeisters Kayser in seiner aktuellen Schreibweise tatsächlich bei manchem historische Deja-Vues auslösen kann man diesen ja mit „y“ schreiben oder „Kaysers Gäßchen“ verwenden – ein Name der das Zeug hat in der bekannten Liste der charmantesten Wegenamen des deutschsprachigen Raumes aufzusteigen, die bis dato von der Straße „Zur schönen Gelegenheit“ in Regensburg angeführt wird8.
Die genannten Frauen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, allen voran die Jüdin Anna Zielenziger, sollte hingegen am Ort ihres Wirkens geehrt werden, am 25. Februar 1931 hielt Zielenziger eine vielbeachtete Rede zum Jubiläum des karitativ tätigen israelitischen Frauenvereins im Restaurant „Zum Einsiedler“ in der Schloßstraße 8. An der Fassade der stark vergröberten „Kritischen Rekonstruktion“ des Einsiedlers, den das Architektenpaar Dietz/Joppien nun für die Mittelbrandenburgische Sparkasse errichtet, sollte sich ein Platz für eine erklärende Gedenktafel finden lassen. Der Ort liegt zudem neben der künftigen Potsdamer Synagoge in der – Schloßstraße.
Schloßstraße mit Einsiedler
Zusammengefasst: die Politisierung von
Innenstadtstraßen sollte die Stadt nicht innerhalb von sechs Wochen ohne jede
Bürgerbeteiligung über das Knie brechen. Es ist doch für den juristischen Laien
schwer nachvollziehbar: Für jedes Stück Uferpromenade in entlegener Randlage
Potsdams findet heutzutage eine Bürgerbeteiligung des „Beteiligungsmanagements“
der Landeshauptstadt statt – Informationsbriefe, Online-Abstimmung,
Bürgerversammlung – aber bei einer Neubenennung des mittelalterlichen
Gründungskerns der Stadt soll es mit einer Abstimmung des Kulturausschusses der
SVV getan sein. Dass hierbei die Vorschläge des Potsdamer Straßennamenexperten
Dr. Klaus Arlt vollständig in den Wind geschlagen wurden sei nur am Rande
erwähnt.
Keine Stummel-Straßen für Frauennamen, sondern ein zentraler Ort in der Innenstadt Das Bedürfnis verdiente Frauen auch an zentraler Stelle mit Straßennamen zu ehren ist nachvollziehbar. Sonst endet die Gleichberechtigung wie beim Straßennamen für Karl-Friedrich von Schinkel oder Friedrich August Stüler in der Peripherie (in diesem Fall Seitenstraßen des Kirchsteigfeldes). Das Ziel ist auch am neuen Quartier an der Langen Brücke vis-a-vis des Hauptbahnhofes zu erreichen: hier sind im Bebauungsplan sieben Planstraße bis dato nur mit Nummern gelistet.
Dieser zentrale Ort am Havelufer mit einem großen Hotel wäre sicher würdevoller als die jetzt wiederzuerrichtenden Stummel historischer Straßen – verdiente Frauen haben Anspruch auf die Benennung ganzer Straßen.
So könnte Potsdam beides tun: die Straßennamen weiblicher werden lassen und seine Geschichte bewahren, von der die Landeshauptstadt und deren Stadtkasse bis dato immer prächtig lebt. 26.10.2019, Willo Göpel
Übersicht über die Straßennamen in der neuen Potsdmer Mitte
In Leipzig und Potsdam sollten zwei von der SED gesprengte Kirchen rekonstruiert werden. Jetzt aber laufen die Kritiker Sturm. Warum die Zukunft der Gotteshäuser alle angeht. Dankwart Guratzsch, die WELT, Seite 21 vom 17.10.2019
Mit den Kirchen haben viele Linke und Altkommunisten in den neuen Bundesländern noch eine Rechnung offen. Die Revolution, die vor 30 Jahren den SED-Staat zu Fall gebracht hat, ist aus ihren Mauern hervorgegangen. Diesen Hintergrund muss man kennen, um die Missgunst zu verstehen, mit dem Kirchenbauprojekte heute vielfach verfolgt werden. In den Fokus derartiger Angriffe geraten erst recht solche Vorhaben, die die Barbarei der Kirchenschleifung, die unter Walter Ulbricht ihren Höhepunkt erreicht hatte, wenigstens partiell wiedergutmachen sollen.
Vor genau 51 Jahre fielen dieser antichristlichen ”Flurbereinigung” zwei prominente Gotteshäuser zum Opfer: die kriegsversehrte Garnisonkirche in Potsdam und die völlig intakte gotische Universitätskirche in Leipzig. Diese beiden Kirchen sind – ganz unabhängig voneinander – gerade jetzt erneut Attacken ausgesetzt, die auf ihre kirchliche Nutzung zielen. In Potsdam wird versucht, den beschlossenen Wiederaufbau der Barockkirche nachträglich erneut infrage zu stellen.
Historische Leipziger Universitätskirche
In Leipzig hat die Universität verfügt, dass vom zugesagten Wiedereinbau
der barocken Kanzel endgültig abzusehen ist. Wenn sich dabei
kirchenfremde und -feindliche Kräfte in den östlichen Ländern mit
allzeit gutgläubigen Linksintellektuellen, Neomarxisten und
Kulturwächtern aus der westlichen Bundesrepublik verbünden, die arglos
und verbissen noch immer der reinen Lehre des einstigen Kunstpapstes
Georg Dehio anhängen, nach der jede exakte Rekonstruktion
untergegangener Gebäude des Teufels ist, so darf diese ungleiche
Genossenschaft nicht von den tieferen Gründen dieses Kampfes ablenken.
Tatsächlich geht es auch heute noch und heute wieder um den Rang und die
Position des Kirchengebäudes in der modernen Stadt.
Ohne
dass dies explizit propagiert worden wäre, war den Kirchen ihre
herausragende Stellung im Stadtkörper von den führenden Repräsentanten
der architektonischen Moderne schon unmittelbar nach dem Ersten
Weltkrieg abgesprochen worden. Diejenigen, die sich im Arbeitsrat für
Kunst und in der Novembergruppe zusammengefunden hatten,
Künstlervereinigungen, die sich schon in ihrer Namensgebung an
sowjetische Vorbilder anlehnten, entwarfen Stadtbilder, in denen der
traditionelle Platz des Kirchengebäudes von ”Volkshäusern”,
”Kulturpalästen” oder Sternwarten eingenommen wurde. Zu Berühmtheit
haben es insbesondere die Stadtvisionen von Bruno Taut gebracht, die mit
ihren pathetisch aufgetürmten säkularen Dominanten, sogenannten
Stadtkronen, den Kirchen nicht nur ihren Platz in der Stadt streitig
machten, sondern auch jede Erinnerung an ihre Rolle übertrumpfen
sollten.
Exakt
in diese Tradition stellte sich die DDR. In Potsdam wurde das
Grundstück der Kirche durch ein Datenverarbeitungszentrum mit dem
banalen architektonischen Vokabular, das die Architekturmoderne für das
gemeine Funktionsgebäude zur Verfügung stellt, besetzt. In Leipzig
wuchtete Hermann Henselmann ein Hochhaus neben die Universität, das mit
seiner platten Symbolik des aufgeschlagenen Buches jeden Gedanken an die
Überhöhung des Daseins durch Religion erschlagen sollte.
Nun
ist der Streit in beiden Städten neu entbrannt. Dabei erweist sich die
Situation Potsdams als besonders heikel. Denn niemand kann leugnen, dass
die Garnisonkirche in einem unseligen Augenblick der Geschichte
symbolisch für die Weihe des Nazistaates durch den Reichspräsidenten
Hindenburg stand. Dieser Umstand dient allen Gegnern des Wiederaufbaus
bis heute als zentrales Argument.
Demgegenüber
argumentieren die Verteidiger mit dem künstlerischen Rang des zu diesem
Datum exakt 200 Jahre alten Bauwerks von Philipp Gerlach, das schon der
Kunstgeschichte Dehios als ”bedeutendster Sakralbau des preußischen
Barock” galt. Zudem sei die Kirche durch den Widerstand des durch die
preußischen Traditionen geprägten adeligen Offizierskorps gegen Hitler
gleichsam selbst geadelt. All dies solle mit dem Wiederaufbau der Kirche
in die Erinnerung zurückgeholt werden.
Gerlach Philipp (1679-1748), Garnisonkirche, Potsdam (1920): Ansicht. Foto, 40,1 x 40,3 cm (inkl. Scanränder). TU Architekturmuseum Inv. Nr. F 0518.
Der
darin angelegte innere Widerspruch gehört zu den prägenden Aspekten des
Streits, der sich an diesem Gebäude entzündet. Die Gegner, geschart um
den Architekturtheoretiker Philipp Oswalt, unterstellen ein ”verzerrtes
und bewusst verfälschtes Geschichtsbild, das wesentliche Fakten der
Kirchengeschichte ausblendet und einige wahrheitswidrig verfälscht”.
Ausgeblendet würden ”die Rolle der Militärkirche bei den
Kriegsverbrechen in den Deutschen Kolonialkriegen, im Ersten und im
Zweiten Weltkrieg.” Außerdem sei das Wiederaufbauprojekt ”von dem
rechtsradikalen ehemaligen Bundeswehroffizier Max Klaar 1984 initiiert
und betrieben worden”. Vom Kunstwert des Bauwerks ist nur in einem
Halbsatz die Rede.
Erstaunlicherweise
hat Oswalt für dieses Plädoyer die Unterschriften selbst einiger
namhafter Architekten gewinnen können, und das, obwohl er auf nichts
Geringeres als auf bewusst anzubringende Retuschen beim Wiederaufbau des
historischen Originals zielt. ”Ich halte es für erforderlich”, schreibt
Oswalt, ”dass auch die architektonische Gestaltung innen wie außen
erkennbar von dem historischen Bau differiert.” Als Beispiel nennt er
die Embleme und die bildhauerische Ornamentik der Kirche mit
”Waffenschmuck und Kriegstrophäen”, mit deren Rekonstruktion offenbar
etwas ”zum Ausdruck” gebracht werden solle. Die Argumentation bedient
sich hier der alten fragwürdigen Vorstellung, dass man historische
Bauwerke ”entgiften” müsse, um sie für zarte Demokratenseelen erträglich
zu machen. Aber eine nachträglich zensierte Geschichte kann es nicht
geben. Sie würde Narrativen vorarbeiten, die Geschehenes als ”halb so
schlimm” und ”überbewertet” erscheinen lassen wollen.
Einen
ersten Erfolg verbucht Oswalts Initiative bereits mit der Abschaltung
des berühmten Glockenspiels, das als Vorleistung für den Wiederaufbau
mit Privatspenden rekonstruiert worden ist. Was vorher niemand bemerkt
hatte: Die Namen der Stifter, darunter rechtsnationale Soldaten- und
Traditionsbünde aus dem Umkreis von Max Klaar, sind den Glocken als
Widmung eingraviert. Das ist zwar übliche Praxis bei größeren Spenden,
verleiht den Glocken aber nach Meinung des Kritikers ”rechtsradikale
Hintergründe”. Für Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) ist es Anlass
genug, erst einmal ”wissenschaftliche Untersuchungen” anzukündigen.
Protestsingen am abgestellten Glockenspiel
Aber
hat man da die Botschaft der Glocken wirklich richtig verstanden, die
ja keine Kriegsgesänge intonieren, sondern mit den von König Friedrich
Wilhelm III. persönlich ausgesuchten Melodien ”Üb immer Treu und
Redlichkeit” und ”Lobe den Herren”, dem Lieblingschoral von Königin
Luise, zu Frömmigkeit und Versöhnung aufrufen? Wenn die Potsdamer
Chronistin Dorothee Goebeler 1924 anrührend schrieb: ”Unter ihren
Klängen sind unsere Großmütter schon herangewachsen, unsere
Ururelternväter haben nach ihnen die eigenen Uhren gestellt”, und wenn
sie dabei empfand, durch die Fenster herein komme ”der liebe alte
Glockenklang wie Trost aus ewigen Höhen”, beschreibt sie eine viel
nachhaltigere Wirkung dieser ”Singeuhr”, als sie jede zeitgebundene
Widmung auslösen kann.
Ganz
anders deshalb auch die Argumentation der bürgerlichen Initiative
”Mitteschön”, die sich dafür einsetzt, dass nicht nur der Turm, sondern
auch das Kirchenschiff in historischer Gestalt rekonstruiert wird. Nur
so könne das Bauwerk ”Geschichte fassbar und konkret” machen und über
die kirchliche Nutzung hinaus auch durchaus erwünschte weitere Aufgaben
übernehmen. Über allem aber steht für diesen Bürgerverbund das Ziel,
nach dem bereits wieder aufgebauten Schloss ”das zweite historische
Gebäude” für Potsdam zurückzugewinnen, das ein ”historisches
Erkennungszeichen der Stadt” war.
Garnisonkirche im Orginal Wolfram Baumgardt/Mitteschön
Dass
der Fall in Leipzig anders liegt, erhellt schon daraus, dass die
Universitätskirche nach endlosem Ringen, wenn auch in veränderter
Gestalt, wiederaufgebaut ist und sich der einstigen Doppelnutzung durch
Kirche sowie Universität erfreut. Am 10. September aber hat der
Akademische Senat der Uni ”ohne Einbeziehung des Bauherrn und des
Universitätspredigers” beschlossen, die historische Kanzel, die aus der
zur Sprengung vorgesehenen Kirche gerettet worden war, nicht wieder
anbringen zu lassen. Den Universitätsprediger und Hochschulprofessor
Peter Zimmerling trifft es wie ein Schlag. In einem ”Offenen Brief” an
die Rektorin Beate Schücking fordert er jetzt, die vertraglich
festgeschriebene Entscheidung zur Rekonstruktion nicht zu widerrufen.
Nach
dem überwiegend modernen Wiederaufbau sollte wenigstens mit der Kanzel
an die Geschichte von Dominikaner-Kirche und Universität angeknüpft
werden. Aus ihr ist ja die Universität historisch überhaupt erst
hervorgegangen. Gegen ihre Sprengung haben Studenten aufbegehrt, die
wegen ihrer an die Geschwister Scholl erinnernden Flugblattaktionen im
Gefängnis saßen.
Für
ihren Wiederaufbau haben sich neben hochrangigen deutschen
Repräsentanten der Kulturszene auch amerikanische Nobelpreisträger
eingesetzt. Und dabei ist es immer auch und gerade die Kanzel gewesen,
um deren Rückkehr gerungen wurde. Sie spiele, so der frühere sächsische
Landeskonservator Heinrich Magirius, ”eine entscheidende Rolle als
Bindeglied zwischen dem Chor und dem Langhaus. Eine andere Stelle als
die historisch vorgegebene ist für die Kanzel kaum denkbar.” Aber gerade
um ”diese entscheidende Rolle” geht es.
Wie
wichtig die Kanzel, das einzige erhaltene Werk des Holzbildhauers
Valentin Schwarzenberger in Leipzig, für das Paulinum tatsächlich ist,
bezeugt auch der langjährige Vorsitzende des Leipziger Paulinervereins,
Ulrich Stötzner. In dem modern gestalteten Kirchenschiff sei sie ”das
einzige originale Zeugnis aus der völlig erhaltenen, jedoch sinnlos und
mutwillig zerstörten gotischen Hallenkirche im Langhaus des Neubaus”.
Zudem ist sie von kirchengeschichtlicher Bedeutung. Auf ihr haben Martin
Niemöller und Nobelpreisträger Nathan Söderblom gestanden, die damit
ihrerseits in die Predigttradition keines Geringeren als Martin Luther
traten. Luther wiederum ist es gewesen, der an diesem Ort Christus mit
den Worten zitiert hat: ”Dieses Haus ist nicht dazu gebaut, um euch als
Kuhstall und Taubenhaus zu dienen.”
Gegen
die Denkmalpflege, gegen den Universitätsprediger und gegen den
Paulinerverein macht sich nun ausgerechnet die Universität zum Anwalt
der Erhaltung der Kanzel. Diese sei, so das Argument, innerhalb des
Paulinums nicht mehr gewährleistet. Nachdem bereits die gesamte
kirchliche Ausstattung samt Altar hinter einer raumhohen Glaswand
weggeschlossen und somit aus dem einstigen Kirchenschiff ausgesperrt
worden sind, will man nun verhindern, dass mit der Kanzel ein Element
kirchlicher Tradition in dieses zurückkehrt. Das wird bemäntelt mit der
Behauptung, dass die Holzkonstruktion der Kanzel dem ”Raumklima” des von
der Universität nur noch als Aula bezeichneten Kirchenschiffs nicht
gewachsen sei. Zudem behindere die Kanzel die Sicht.
An
Abstrusität, ja, Lächerlichkeit sind diese Argumente kaum zu
überbieten. Und sie bedeuten den einseitigen Bruch eines Vertrages, den
die Universität mit der Landeskirche, dem Freistaat Sachsen, der Stadt
Leipzig und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz 2008 geschlossen hat.
Das
Beste über den typisch deutschen Streit um Rekonstruktionen hat wohl
der Holländer Erik van Egeraat gesagt. Es gilt für den Nachfolgebau der
Leipziger Universitätskirche, den er (aus bewusster künstlerischer
Entscheidung) in modernen Formen neu errichtet hat, in derselben Weise
wie für den Kirchenkampf um die Potsdamer Garnisonkirche, obwohl beide
Bauprojekte von Anfang an unter ganz unterschiedlichen Voraussetzungen
standen. ”Wir scheiden Gut von Böse ohne viel Federlesens, wir teilen
Gebäude rasch in Opfer oder Täter auf; sie werden dramatisch ,letzte
Zeugen’ oder gar weniger zurückhaltend ,willige Vollstrecker’ und
,korrupte Parteigänger’ ihres Zeitgeistes genannt. Es stört uns kaum,
dass wir dabei unsere eigenen fragmentarischen Ansichten auf diese
Gesellschaften auf die Gebäude übertragen, die diese Gesellschaften
einst errichteten.”
Egeraat,
der sich zu der Philosophie bekennt: ”Architektur ist sowohl/als auch,
nicht entweder/oder”, zieht zwischen Kunst und Ideologie einen klaren
Trennungsstrich: ”Gebäude mögen genetischer Abdruck ihrer Zeit sein,
doch weder in ihren Materialien noch in ihren Teilen stehen sie für die
Ideologie der Zeit, zu der sie gehört haben. Stein bleibt Stein und ein
Architrav nichts mehr als ein verzierter Balken!”
Und
Egeraat stellt den Deutschen unbequeme Fragen, die er als Holländer
bescheiden in ein versöhnliches ”Wir” kleidet: ”Ist solches Aburteilen
gut für unsere gegenwärtige Welt, in der Vielfalt und friedlicher
Pluralismus uns mehr zu bringen scheinen als Moralkeule und Dogmen?
Haben wir nicht des Extremismus genug? Müssen wir uns wirklich wieder
hinter neuen nationalistischen oder sogar rein antinationalistischen
Dogmen verbergen?”
Turm und Kirchenschiff bildeten eine architektonische und harmonische Einheit, die es wiederherzustellen gilt. Der Turm als „Campanile“ steht verloren im Stadtbild. Es fehlt ihm ein architektonisches Gegengewicht.
Garnisonkirchenturm mit Rechenzentrum
Garnisonkirche im Orginal
Die Garnisonkirche denken wir als bedeutenden Teil der in Entstehung befindlichen Potsdamer Kunst- und Kulturmeile.
Die Kirche stände als Zeichen der
wechselhaften Geschichte dieser Stadt und darüber hinaus auch für die deutsche
Geschichte.
Nur mit dem vollständigen historischen Bauwerk kann unsere Geschichte ganz erzählt werden, eine Geschichte, die nicht nur das 20. Jahrhundert umfasst.
1.) Das Kirchenschiff mit seinen einst ca. 2.800 Plätzen wäre für rein kirchliche Zwecke allein nicht erforderlich. Für große und übergemeindliche Kirchenkonzerte hingegen reicht das Platzangebot der übrigen Potsdamer Gotteshäuser nicht aus (Friedenskirche 800, Erlöserkirche 1.000, Nikolaikirche 1.000 und St. Peter und Paul 1.200 Plätze)
2.) Die wachsende Stadt Potsdam verfügt über keinen ausreichend großen Versammlungs- und Konzertsaal für profane Veranstaltungen. Das Kirchenschiff der Garnisonkirche mit einem schlichten aber architektonisch schönen Innenausbau könnte etwa für Großveranstaltungen der Stadtverwaltung für besondere Ehrungen oder Neujahrsempfänge oder für feierliche Großveranstaltungen der in Potsdam ansässigen Akademien und der Universität Potsdam genutzt werden. Insgesamt könnte die Kirche ein Ort gesellschaftlichen Treffens und der Zusammenkunft sein.
3.) Der Vorschlag von Mitteschön ist, das Kirchenschiff als Gotteshaus und Kulturkirche zu nutzen. Es gibt zahlreiche Kirchen in Deutschland, die das so praktizieren, z. B. in Frankfurt/Oder, in Prenzlau, in Wismar, die Universitätskirche Leipzig und als prominentestes Beispiel die gleichfalls wiederaufgebaute Dresdner Frauenkirche.
Nutzungsmöglichkeiten
4.) Anknüpfend an eine große Tradition des 19. Und 20. Jahrhundert sollte die Garnisonkirche wieder Aufführungsstätte großerkirchenmusikalischer Veranstaltungen sein. Sie böte neben der guten Akustik, die bei einer originalen Rekonstruktion sicher gewährleistet wäre, genug Raum für große gemeinsame Aufführungen von Oratorien und Orchesterwerken. Wir denken an Aufführungen gemeinsam mit Chören und Instrumentalisten anderer Potsdamer Gemeinden, aber auch an große internationale Chortreffen.
Konzert in der Garnisonkirche arg images/Göpel
Das Kirchenschiff hätte neben der hervorragenden Akustik genug Raum für große Oratorien- und Orchesteraufführungen.
Wolfram Baumgardt Mitteschön
5.) Der 17m hohe Dachstuhl des Kirchenschiffs könnte als Jugendbegegnungszentrum genutzt werden. Kleinere Räume für Jugendarbeit, Konferenzräume, Teeküche und Sanitäranlagen. Multifunktional aber auch als Hinterland für die Kulturveranstaltungen (Künstlergarderoben) aber auch gleichzeitig als Proberäume für Chöre anderer Potsdamer Gemeinden, da hier großer Raumbedarf herrscht.
6.) Die Garnisonkirche als Bildungs- und Erinnerungsstätte entsprechend dem Wiederaufbaumotto „Geschichte erinnern – Verantwortung lernen – Versöhnung leben“.
In der Nagelkreuzkapelle fanden bislang dahingehend schon hochkarätige Veranstaltungen statt, die ausgebaut werden sollten und natürlich in solch einem außergewöhnlichen und schönen Kirchenschiff noch größere Resonanz erfahren würden.
Junge Menschen für Friedensthemen sensibilisieren!
7.) Die Garnisonkirche als Begegnungsort für Christen undNichtchristen, die an einer gemeinsamen Werteorientierung interessiert sind. Potsdam bedarf solch einer Kirche, denn die Bevölkerung ist zum großen Teil durch die DDR-Zeit nicht christlich orientiert. Daher sollte dieser Ort auch Anlaufpunkt sein für Suchende, ein Ort zum Nachdenken über moralische – ethische Grundwerte.
8.) Die Garnisonkirche als internationale Begegnungsstätte mit Schwerpunkt östliche Nachbarländer. Gerade diese Kirche wäre ein Ort, der sich durch seine Geschichte anbietet, an die über Jahrhunderte bestandenen Gemeinsamkeiten anzuknüpfen, um Gespräche zur Verständigung miteinander zu führen oder auch gemeinsame Kulturveranstaltungen durchzuführen. Das wäre ein herausragendes Alleinstellungsmerkmal! Gerade in der komplizierten politischen Lage mit Russland, könnten hier auf menschlicher Ebene Kontakte geknüpft werden, die im Sinne der Aufgabenstellung Versöhnung befördern. Und das ganz aktuell!
Russische und deutsche Soldaten im Seminar
9.) Wir stellen uns auch eine enge Zusammenarbeit mit dem imUmkreis der Garnisonkirche entstehenden Standort für die Kultur- und Kreativwirtschaft vor, insbesondere für Veranstaltungen, die einen größeren Raumbedarf erfordern.
Langer Stall als Künstleratelier Pake Jeyabalan
Der denkmalgeschützte Fries des Rechenzentrums könnte an seinem originalen Standort als raumgestaltendes Element für ein Café dienen. Der Freiraum neben der Kirche könnte z.B. auch als Ausstellungsort für Exponate des Kreativzentrums genutzt werden.
Brüche mit der Geschichte sichtbar machen! Zu Fragen anregen, auch für spätere Generationen!
Garnisonkiche mit Mosaik des Rechenzentrums Olaf Thiede/Mitteschön