Barbara Kuster zur Potsdamer Heimatdebatte Was und wer ist Potsdam?

Potsdam, eine durch den Zuzug verdrängte Heimat?

Wie Menschen zu solchen Urteilen kommen, ist rätselhaft. Die Veränderung der Stadt ist keine feindliche Übernahme – denn wir alle gestalten mit.
In Veränderung begriffen. Potsdams Mitte wird neu gestaltet. Doch dies sei keine neue Entwicklung, sondern wurde vom Stadtparlament schon kurz nach der Wende beschlossen, sagt Barbara Kuster – lange bevor prominente Neubürger in die Stadt zogen. Ein Gastbeitrag in der PNN vom 14.08.2018

Es beunruhigt mich immer mehr, mit wie viel Abwehr, ja sogar Hass auf Menschen reagiert wird, die neu in unsere Stadt ziehen. Da wird von Reichen gesprochen, die den „richtigen“ Potsdamern ihre Stadt entreißen, die unsere Jugenderinnerungen zerstören, weil die unsere schönen DDR Bauten abreißen und ein barockisiertes Potsdam wieder aufbauen wollen. Die Stadt hat ihn verlassen, schreibt da Peter Effenberg in seinem Gastbeitrag in den PNN.
Und weiter: „Es geht um Heimat. Um ein Gefühl. Um mein Seelenheil.“ Und dann wird auch noch das Aufkommen der AfD mit diesem geschundenen Seelenheil begründet. Ich bin auch geborene Potsdamerin und frage hier: Wo bleibt da die Toleranz, die unsere Stadt ja so gerne im Munde führt? Woher nimmt man die Behauptung, dass die Zugezogenen Schuld sind an dem Verschwinden von DDR-Architektur?

Denn der Beschluss des behutsamen Rückbaus wurde schon kurz nach der Wende von unserem Stadtparlament beschlossen, lange bevor Günther Jauch mit dem hervorragend rekonstruierten Fortunaportal nach der Baugenehmigung durch die Stadtverordnetenversammlung den Startschuss für das Stadtschloss gab.

Sicherlich, eine gewisse Wehmut ist da, wenn etwas verschwindet, was man lange kannte. Ich kenne die Fachhochschule auch seit ihrem Bestehen. Ich habe aber noch viel einschneidendere Zerstörungen erlebt – die Sprengung der Stadtschlossruine, die der Garnisonkirche und die der in den 1960er Jahren immer noch schönen Breiten Straße mit ihren Barockhäusern, welche von hohem künstlerischen Wert waren. Ich weiß noch, vor dem in der DDR staatlich verordneten Abriss waren begeisterte Fotografen da, die unser Haus innen und außen fotografierten – die wundervolle Fassade, unser geschwungenes Treppenhaus. Ja, es war eines von den vielen Häusern dieser ehemaligen Prachtstraße, die übrigens noch voll bewohnt waren und nur kleine Schäden durch den Krieg erfahren hatten. Aber sie wurde gänzlich, bis zur Unkenntlichkeit zerstört. Ja, es schmerzt, wenn ein Lebensraum verloren geht. Trotzdem habe ich niemals davon gesprochen, dass sich meine Stadt von mir verabschiedet. Die Zeiten ändern sich halt.

„Barockes Disneyland“? Der Vorwurf, hier würden nur Kulissen gebaut, ist ein Pauschalvorwurf

Die Stadt wird sich auch weiterhin verändern. Neben den wieder errichteten barocken Bauten am Alten Markt werden jetzt Quartiere entstehen, die zum überwiegenden Teil modern bebaut werden. Kleinteilig, abwechslungsreich, mit Geschäften und Gastronomie. Ich freue mich darauf und ich denke, mit mir viele Potsdamer! Der Vorwurf, hier würden nur Kulissen gebaut, ein „barockes Disneyland“, ist ein nicht haltbarer Pauschalvorwurf. Noch ist der Alte Markt im Werden und nicht alles perfekt, aber Potsdams Mitte hat endlich wieder ein Gesicht und das, was rekonstruiert wurde, wurde mit hoher Qualität erbaut. Die einzige Kulisse sind die beiden Sanssouci-Adaptionen, die dem Siegerentwurf von „Kunst am Bau“ im Hof des Landtags entspringen.

Als die Fachhochschule da stand, mutete dieser Ort wie Stadtrand an. Ja, es waren Studenten da, doch abends waren sie weg, da lag der Platz öde und brach. Es war ja auch eigentlich kein Platz mehr, denn man hatte alles beseitigt, außer dem Rathaus und der Nikolaikirche, was den ursprünglichen Vorzeigeplatz von Potsdam ausmachte.

Die Fachhochschule als monolithischer Platzhalter setzte den Schwerpunkt. Er zerstörte mit seiner Größe und seinem Standort die Wiederannäherung an den alten Platz. Deshalb wird der Fachhochschulbau nun abgerissen.

Die Architektur der DDR ist noch immer in Potsdam präsent

Die Behauptung, dass alles aus der DDR in der Mitte verschwindet, entspricht nicht der Wahrheit. Das ganze Wohnviertel hinter dem Alten Rathaus, die Bauten auf dem Platz der Einheit, die Seerose, die Bibliothek und natürlich auch die Bauten auf der Breiten Straße (auf die ich persönlich freudig verzichten würde) sind da und bleiben.

In einem Punkt muss ich den „Seelenheilgeschädigten“ Recht geben. Einen gelungenen Wurf der DDR-Architekten gibt es, nämlich das Ensemble auf dem Brauhausberg. Minsk, Schwimmhalle und dazwischen die Wasserkaskaden waren sehr gefühlvoll an den Berg gefügt und entsprachen einer sensiblen Hangbebauung. Ich bin traurig, dass das jetzt als Ensemble verschwunden ist. Das neue Bad am Fuße des Berges mag zwar funktionell gelungen sein, sein Erscheinungsbild ist jedoch Potsdams nicht würdig!

Überhaupt, was jetzt dort noch gebaut wird, macht mir Bauchschmerzen! Ja, es geht hier leider auch oft um Geld und Profit und um finanzielle Abdeckung der Stadt. Doch wir können im Gegensatz zur DDR mitreden! Jeder kann sich einbringen, und es tun mittlerweile schon viele Bürger der Stadt. Es bringt nichts, sich in die verletzte Schmollecke zurückzuziehen. Wir alle sind Potsdam, unsere Neubürger mit einbegriffen, und wir gestalten unsere Stadt mit. Und wenn ein Neubürger uns inhaltlich oder finanziell dabei unterstützt, so ist das keine feindliche Übernahme, sondern ein Glück für Potsdam, um das uns andere Städte beneiden!

Barbara Kuster

Block III am Steubenplatz: Neuer Wettbewerb für die Schloßstraße 1-3

Mitteschön: Neuer Wettbewerb sinnvoll – Ergebnisse öffentlich zeigen!

Dass der Entwurf für die Großparzelle Schloßstraße 1-3, die direkt an das Eckhaus Alter Markt 17 („Klingnersches Haus“, Architekt J.G.W. Knobelsdorff) Richtung Steubenplatz anschließt, eine besondere Herausforderung für die Bewerber darstellt, war zu vermuten. Deshalb hatte sich die Auswahlkommission aus Fachleuten und Stadtverordneten von vorneherein einen zweiten Wettbewerb für das Grundstück vorbehalten.

Durch den Abbruch der Vergabeverhandlungen mit dem Investor Rockstone

und dem Nachrücken der PWG von 1956 e.G.

ergab sich nun die Chance über die Neubebauung erneut nach Alternativen zu suchen, denn die Ergebnisse des ersten Wettbewerbes haben niemanden überzeugt. Insbesondere die Dachgestaltung durch die Vielzahl einheitlicher Gauben und die sehr schlichte Struktur der Fassade des PWG-Entwurfes wurde kritisch gesehen.

Drei Architekten sollen nun bis Ende August neue Entwürfe vorlegen.
Mitteschön hält das für ein gutes Verfahren. Hoffentlich bleibt die Stadt bei ihrer Linie auch diese Entwürfe VOR Zuschlagerteilung der Öffentlichkeit zu zeigen.

Da das Leitbautenkonzept hier keine Fassadenrekonstruktion zulässt, soll eine „zeitgenössische“ Fassade entstehen. Wenn man sich an den typisch Potsdamer Merkmalen der Innenstadtarchitektur orientiert kann das auch gelingen. Im Notfall sollte das Grundstück wieder wie in der vorfriderizianischen Zeit in drei Kleinparzellen verlegt werden. Andererseits sollte es durchaus möglich sein, die gewünschte Kleinteiligkeit im Block III auch durch die Fassadengliederung zu erreichen.

Die Schloßstraße 1-3 war eine barocke Großfassade,

die in der Gründerzeit durch einen mächtigen Neurenaissancebau ersetzt wurde.

Der Mittelrisalit und sein Giebel sind der Bezugspunkt des Fußweges durch die Ringerkolonnade am Schloss. Der Durchgang und der Anschluss der Ringerkolonnade an den Landtag sollte wiederhergestellt werden.

Entwurf Philipp Preuß

 

 

Podiumsgepräch zu Friedrich Wilhelm I. – ein Reformabsolutist auf dem Preußenthron

Friedrich Wilhelm I. – ein Reformabsolutist auf dem Preußenthron

Podiumsgespräch anlässlich seines 330. Geburtstages im Potsdam Museum (Länge 61 min)

mit Prof. Dr. Jürgen Kloosterhuis

Dr. Hans-Joachim Kuke

Prof. Dr. Harald Mau

Moderation: Thomas Wernicke

Die Veranstaltung ist Kooperation der Potsdamer Initiative „Mitteschön“ mit dem Pfarramt der Nagelkreuzgemeinde. Produktion gutfilm medienproduktion Potsdam

© 2018 gutfilm medienproduktion

Olaf Gutowski

https://www.gutfilm.de

Der Soldatenkönig. Ein sozialer Monarch

Friedrich Wilhelm I. – der erste Sozialpolitiker auf einem deutschen Thron

( Vortrag: Prof. Dr. Harald Mau)

Friedrich Wilhelm I. ging als „Soldatenkönig“ und brutal-autoritärer Vater Friedrichs des Großen in die Geschichte ein. Das (sozial)staatsreformerische Wirken des im Jahr 1688 geborenen Preußenkönigs, der Potsdam zu seiner Residenzstadt machte, ist im kollektiven Bewusstsein weniger präsent.

Anlässlich des 330. Geburtstages von Friedrich Wilhelm I. im Mai 2018 hielt Prof. Dr. Harald Mau seinen Vortrag im Potsdam Museum.

Die Veranstaltung war eine Kooperation der Potsdamer Bürgerinitiative „Mitteschön“ mit dem Pfarramt der Nagelkreuzgemeinde.

Produktion gutfilm medienproduktion Potsdam
© 2018 gutfilm medienproduktion Olaf Gutowski

http://www.gutfilm.de